bogensport lunge
24.11.2022

Bogenschießen für die Lunge

Sport wird auch Patient:innen mit chronischen Lungenerkrankungen empfohlen. Doch fällt es ihnen oft schwer, geeignete Sportarten zu finden. Die Bewegung muss innerhalb der Belastungsgrenzen bleiben, um Atemnot und die damit einhergehende Panik und Frustration zu vermeiden. Trotzdem soll ein Trainingseffekt erzielt werden. Und damit man am Ball bleibt, sollte man im Idealfall Spaß an der Bewegung haben. Zu den am häufigsten empfohlenen Sportarten zählen Spazierengehen bzw. Nordic Walking, Wandern, das Training in einer Lungensportgruppe, ruhiges Fahrradfahren oder Schwimmen. Was eigentlich nie bei den Empfehlungen dabei ist, ist der Bogensport. Dabei bietet er Patient:innen mit Lungenerkrankungen einen wunderbaren Ausgleich.

Bogensport aus Sicht der Lunge

Beim Bogenschießen wird die Muskulatur des Oberkörpers eingesetzt. Lediglich der Beginn des Auszugs erfolgt zum Teil über die Armmuskulatur. Die Hauptlast und auch das dann folgende Halten der Bogenspannung wird in erster Linie über die Rückenmuskulatur bewerkstelligt. Die notwendige Rückenspannung sorgt zusammen mit dem aufrechten Stand dafür, dass der Brustkorb „aufgedehnt“ wird: Die großen Brustmuskeln aber auch die Atemmuskulatur zwischen den Rippen werden gedehnt und sogar das Zwerchfell wird durch die Bewegung mitgezogen. Nicht umsonst gibt es bei vielen Lungensportprogrammen die Übung des „Bogenschützen“ bei der der Zug der Bogensehne simuliert und mit der Einatmung gekoppelt wird. Mit einem Bogen in der Hand wird der Trainingseffekt verstärkt – jedoch immer noch ohne das Herz-Kreislauf-System oder die Lunge zu überlasten. Außerdem fördert das Bogenschießen die allgemeine Kondition und Koordination und kann gezielt zur generellen Entspannung und Stressreduktion sowie zur Vertiefung und Beruhigung der Atmung betrieben werden (s.u.).

 

Vielfalt im Bogen

Bogensport ist nicht gleich Bogensport. Es gibt die unterschiedlichsten Bogenformen, sodass für nahezu jeden was dabei ist, der irgendwie Gefallen daran findet, einen Pfeil per Bogen von A nach B zu bewegen. Die drei größten Gruppen unter den Bauformen sind die eher futuristisch aussehenden Compound-Bögen, sowie die traditionelleren Lang- und Recurve-Bögen.

Compound-Bögen verstärken die Kraft über Seilzüge. Die Schützen können dadurch mit weniger Kraftaufwand höhere Pfeilgeschwindigkeiten erreichen. Außerdem können die Bögen sehr kurz bleiben, da die Geschwindigkeit nicht über die Wurfarme erzeugt wird. Der Langbogen ist das, womit man den klassischen Robin Hood in Verbindung bringt. Ungespannt ist er mehr oder weniger gerade und wie der Name schon sagt, ist er relativ lang. Der Recurve-Bogen hat seinen Namen daher, dass die Enden seiner Wurfarme nach vorne geschwungen sind (siehe Titelbild), wodurch der Bogen mehr Kraft aufnehmen kann. Dadurch kann er kürzer sein als der Langbogen und dennoch beachtliche Pfeilgeschwindigkeiten produzieren.

Compound-Bögen sind eher etwas für die High-Tech-Präzisions-Fraktion unter den Schütz:innen, Langbogen-Fans verzichten in aller Regel auf technische Hilfsmittel wie zum Beispiel ein Visier, bei Recurve-Bögen ist von absolut blank bis technischer Vollausstattung alles vertreten. Kurzum: Im Bogensport finden Purist:innen und Technik-Freaks gleichermaßen ihr zu Hause.

Vielfalt im Sport

So vielfältig die unterschiedlichen Bögen sind, so vielfältig sind auch die Möglichkeiten, sich mit dem Bogen auszuleben. Und die werden nur zum Teil von der Wahl des Bogens bestimmt. Man kann rein auf Scheibe schießen – in der Halle oder draußen, aus unterschiedlichen Distanzen und mit mehr oder weniger großen Ambitionen immer genau ins Ziel zu treffen. Wem es in erster Linie um das Aufspannen des Bogens zum Training der Muskulatur oder zur Entspannung geht und wer einen nicht allzu starken Bogen schießt, dem reicht unter Umständen sogar der heimische Flur oder Keller als Schießbahn (bitte Vorsicht bei menschlichen oder tierischen Mitbewohner*innen!).

Viele Bogensportvereine betreiben auch sogenannte 3D-Parcoure: Verschiedene fixe Ziele sind in Wald und Feld positioniert und die Schütz:innen haben die Möglichkeit, auf festgelegen Pfaden über das Gelände zu spazieren und an den jeweiligen Ziel-Stationen zu schießen. Inzwischen werden auch immer häufiger „Bogenwanderungen“ angeboten, bei denen auf einer Wanderung an geeigneten Stellen mobile Ziele ausgelegt oder aufgestellt werden.

Besonderheit: meditatives Bogenschießens

Eine Besonderheit, die für gestresste Büroarbeiter:innen ebenso interessant ist wie für Lungensportler:innen, ist das meditative Bogenschießen. Bei dieser Form stehen Entspannung, Achtsamkeit und die Fokussierung auf die eigene Mitte eher im Zentrum, als die Mitte der Zielscheibe.

Atem- und Meditationstechniken nehmen eine zentrale Rolle ein, das eigentliche Schießen tritt etwas in den Hintergrund. Viele verbinden das japanische Bogenschießen Kyudo damit – doch braucht man für meditatives Bogenschießen nicht zwingend einen über zwei Meter langen Bogen. Da sowohl das Bogenschießen eine erstaunliche Renaissance erfährt als auch Entspannung und Meditation für viele Menschen einen immer höheren Stellenwert erhält, wird auch diese Kombination an vielen Stellen angeboten.

Aller Anfang ist teuer?

Wer den Bogensport für sich entdeckt, wird vermutlich irgendwann seinen eigenen Bogen haben wollen. Bogensportvereine oder -schulen haben jedoch auch immer Leih-Bögen, mit denen man erst einmal testen kann, ob der Sport etwas für einen ist. Und auch, welcher Bogen es werden soll. Die ersten Schüsse sollten eh unbedingt unter Aufsicht eines Trainers erfolgen, damit man sich keine Fehlhaltungen angewöhnt. Vor allem bei chronischen Lungenerkrankungen, wo es vornehmlich um die Stärkung, Dehnung und Entspannung der Atemmuskulatur geht, ist dies besonders wichtig. Auch die ersten Trainingseinheiten sind meist kostenlos, sodass es auf jeden Fall einen Versuch wert ist.

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