Radon Lunge
24.10.2022

Radon – Unsichtbare Gefahr für die Lunge

Rauchen, Feinstaub, Pollen, Ozon, Asbest – Vor allem Patient:innen mit Lungenerkrankungen wissen, dass es eine Reihe von Belastungsfaktoren gibt, die die Lunge reizen, COPD- und Asthma-Symptome verstärken und die Erkrankungen zumindest mitverursachen können. Auch für Lungenkrebs kennt jeder Rauchen und Asbest als Risikofaktoren. Es gibt aber auch noch weniger bekannte Risiken, die uns unsichtbar und unbemerkt umgeben. Teilweise sogar direkt in den Wohnräumen. Dazu gehört auch das radioaktive Edelgas Radon.

Was ist Radon und wo kommt es her?

Radon ist ein Edelgas, das im Boden durch den Zerfall tiefliegender, uranhaltiger Gesteinsschichten vorkommt und von dort in die Atmosphäre und ins Grundwasser, aber eben auch in Keller und Rohrleitungen eindringt. Wie der Name vermuten lässt, ist Radon radioaktiv. Als Edelgas reagiert es chemisch eher nicht, ist unter Normalbedingungen geruch-, geschmack- und farblos und für ein Gas sehr dicht. Daher kann es sich in Gebäuden vor allem in Kellern und unteren Stockwerken ansammeln.

Wie gefährlich ist Radon?

Radon selbst ist eigentlich ungefährlich – es wird einfach wieder ausgeatmet. Die eigentliche Gefahr stellen die Isotope dar, die beim Zerfall entstehen. Darunter ist zum Beispiel Polonium, das spätestens durch die Vergiftung von Alexander Litwinenko im Jahr 2006 zweifelhafte Bekanntheit erlangte. Die Polonium-Konzentration durch das aus dem Boden ausströmende Radon ist aber natürlich deutlich geringer – es stirbt also niemand binnen weniger Tage, wenn er einen radonbelasteten Keller betritt! Doch gilt Radon direkt nach dem Tabakrauch als die wichtigste Ursache für Lungenkrebs, da der radioaktive Zerfall zur kontinuierlichen Bestrahlung der Lungenzellen führt. Je höher die Radonkonzentration in der Atemluft und je länger wir diese Luft einatmen, umso höher steigt das Gesundheitsrisiko. Bis zum Ausbruch einer Erkrankung können jedoch Jahrzehnte vergehen. Klar nachgewiesen ist der Zusammenhang zwischen Radon und Lungenkrebs – Schätzungen zufolge gehen etwa 5% der Todesfälle durch Lungenkrebs auf Radon in Wohnungen zurück. Für COPD ist bisher kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Ausbruch der Erkrankung und Radonbelastung in den Wohnräumen bewiesen. Es gibt jedoch einige Hinweise, die genauer untersucht werden sollten.

Wo in Deutschland sind die Radon-Konzentrationen besonders hoch?

Radon wurde um 1900 von einem deutschen Physiker entdeckt. Kurz danach wurde das Gas in Bergbaustollen im Erzgebirge nachgewiesen. Allgemein kann man sagen, dass die Radonkonzentration in den Mittelgebirgen aus Granitgestein am höchsten ist. In Deutschland sind daher vor allem Regionen im Schwarzwald, dem Bayerischen Wald, im Fichtelgebirge und im Erzgebirge am stärksten betroffen.

In Gebäude gelangt das Radon direkt aus dem Boden – und zwar in höherer Konzentration als zum Beispiel im Garten des Hauses. Dies liegt an einem „Kamineffekt“: Wir haben es gern muckelig warm in der Bude. Die warme Luft steigt auf und erzeugt so einen Unterdruck in den unteren Stockwerken. Dieser ist nur minimal, reicht jedoch aus, um kalte und leider auch radonhaltige Luft aus dem Boden ins Innere des Hauses zu saugen.

Wie schützt man sich vor Radon?

Wer in besonders belasteten Regionen lebt (u.a. das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) bietet detaillierte Karten), sollte gegebenenfalls die eigenen Wohnräume überprüfen oder überprüfen lassen. Erste Hinweise können Testgeräte liefern, die verhältnismäßig günstig im Elektronik-Fachhandel zu bekommen sind. Seit Beginn 2019 legt das Strahlenschutzgesetz einen verbindlichen Referenzwert für die Radonkonzentration in Innenräumen fest. Er liegt bei 300 Becquerel (Bq) pro Kubikmeter Raumluft. Der von der Welt-Gesundheits-Organisation (WHO) empfohlene Langzeitgrenzwert liegt sogar nur bei 100 Bq pro Kubikmeter Raumluft.

Stellt sich die Belastung mit Radon als zu hoch heraus, ist die erste Maßnahme, die Räume möglichst gut zu lüften bzw. bei Kellern, sie zu belüften. Auf lange Sicht sollten die Gebäude in Richtung Boden besser abgedichtet werden. Bedeutet, dass ein Umbau vermutlich unumgehbar ist. Bei Neubauten in belasteten Gebieten sollte die Radonbelastung schon beim Legen der Bodenplatte mit einkalkuliert werden und das Haus in Richtung Boden entsprechend abgedichtet werden.

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